Profile

Ricette di Sicilia

Cibo, cultura e tradizioni siciliane


Ficodindia dell’Etna DOP – Die süße Kostbarkeit Siziliens
Delikatessen

Ficodindia dell’Etna DOP – Die süße Kostbarkeit Siziliens

Nino Messina

Über diese Delikatessen

Tauchen Sie ein in den unverwechselbaren Geschmack des Ficodindia dell’Etna DOP, einer sizilianischen Spezialität, die aus jahrhundertealten Traditionen und einem einzigartigen Klima hervorgeht.

Im Film und im Alltag sagt man oft „Gut war’s beim ersten Mal“.

Doch bei unserem heutigen kulinarischen Highlight trifft das nicht zu – hier kommt noch die uralte Technik der scozzolatura zum Einsatz: Dabei werden die ersten Blütenstände der Pflanze abgeschnitten, um später größere und aromatischere Früchte zu ernten.

Wir sprechen von einer typischen Anbaumethode für den Ficodindia, eine ursprünglich amerikanische Pflanze, die längst zum Symbol Siziliens geworden ist – nicht zuletzt dank der besonderen Entwicklung, die sie auf der Insel durchlaufen hat.

Besonders bekannt sind die ficurini (so nennt man sie auf Sizilianisch), die an den Hängen und am Fuße des höchsten Vulkans Europas gedeihen.

Die Früchte zeigen sich in drei verschiedenen Farben, je nach Sorte, doch alle vereint eine saftige, süße und vollmundige Fruchtfleischqualität.

Diese Besonderheit wurde mit der geschützten Ursprungsbezeichnung DOP ausgezeichnet – ein Zeichen für ihre Einzigartigkeit.

Eine Pflanze mit Dornen

Der Ficodindia vom Ätna gehört zur Art Opuntia ficus-indica, einer Pflanze aus der großen Familie der Cactaceae, besser bekannt als Kakteen.

Wie seine Verwandten ist auch der Ficodindia eine sukkulente Pflanze, die große Mengen Wasser speichern kann.

Zum Schutz vor Tieren, die nach Wasser suchen, hat der Ficodindia – wie jeder Kaktus – spitze und schmerzhafte Dornen entwickelt, auch wenn nicht alle Sorten diese besitzen.

Für den Menschen sind jedoch nicht die Dornen auf den sogenannten pale – den charakteristischen, blattähnlichen Trieben des Ficodindia – das Problem, sondern die winzigen Glochiden.

Diese kleinen, borstenartigen Dornen sitzen sowohl auf den pale als auch auf den Früchten.

Sie sind hakenförmig, lösen sich leicht von der Pflanze – schon ein Windstoß reicht – und sind äußerst schmerzhaft und schwierig aus der Haut zu entfernen, da sie leicht abbrechen.

Im Frühling schmücken gelbe Blüten die pale, die im Sommer den Platz für die stacheligen Früchte räumen.

Ein Symbol Mexikos

Der Name der Pflanze geht auf die antike Stadt Opunte in Griechenland zurück, wie es der Historiker Titus Livius berichtet.

Wissenschaftlichen Untersuchungen zufolge stammt die Pflanze aus der Neuen Welt, genauer gesagt aus dem Gebiet des heutigen Mexiko, wo sie von den Azteken „Nopalli“ genannt wurde.

Für die Azteken war der Ficodindia eine heilige Pflanze mit großer symbolischer Bedeutung.

Bei einer ihrer Wanderungen nach Norden entdeckten sie einen Adler, der auf einem bizarr geformten Kaktus saß – genau dort gründeten sie ihre neue Hauptstadt Tenochtitlan, was so viel bedeutet wie „Land, wo die Früchte des Kaktus auf dem Felsen wachsen“.

Der Ficodindia ist heute sogar auf der mexikanischen Flagge zu sehen, unter den Krallen des berühmten Adlers, der als Symbol für Sonne und Leben über den Tod triumphiert, dargestellt durch eine Schlange.

Die Waffe der Sarazenen

Nach historisch-wissenschaftlicher Deutung gelangte der Ficodindia im Zuge der Entdeckungsreisen aus der Neuen Welt nach Europa, insbesondere im Jahr 1493, als Christoph Kolumbus nach Lissabon zurückkehrte.

Der Name der Pflanze erinnert an den heimischen Feigenbaum, weist aber auf ihre besondere Herkunft und Eigenschaften hin.

Die ersten Entdecker suchten damals eine neue Route nach Indien und China und glaubten, in der indischen Halbinsel gelandet zu sein – daher der Begriff „Indianer“ für die Ureinwohner Amerikas und auch der Name Ficodindia.

Andere Theorien besagen, dass der Ficodindia bereits durch Sarazenen und Araber nach Sizilien gelangte – also Jahrhunderte früher.

Der Legende nach galt lu peri di ficurinia als giftige Pflanze, die von den Sarazenen gebracht wurde, um das sizilianische Volk zu vernichten. Doch Gott verwandelte diese heidnischen Pflanzen in süße und schmackhafte Früchte.

Doch die Legende weicht der Realität.

Der Ficodindia kam tatsächlich aus Amerika und wurde zunächst als Zierpflanze in Gärten kultiviert, nicht als Nahrungsmittel.

Mit der Zeit verbreiteten sich die Samen dank Vögeln rasch im gesamten Mittelmeerraum. Die Bauern überwanden ihre Scheu vor den Dornen, probierten die Früchte – und waren begeistert.

Von da an wurde der Ficodindia immer wichtiger, wuchs überall auf der Insel, wurde zu einem Symbol Siziliens und schmückte die Landschaft, unterbrach Reihen von Olivenbäumen und umrahmte wie ein natürlicher Schmuck die Landhäuser.

Die scozzolatura des Ficodindia dell’Etna DOP

Wie jeder Kaktus bevorzugt diese Pflanze trockene, grobe Böden und benötigt weder viel Wasser noch besondere Pflege.

Dennoch haben die sizilianischen Bauern eine Methode entwickelt, um bessere Früchte zu erzielen: die scozzolatura (auch scutulata genannt). Dabei werden zwischen Mai und Juni die ersten Blütenstände der pale abgeschnitten, damit die nachfolgenden Blüten und Früchte größer werden.

Diese alte Technik wird noch heute von den Erzeugern des Ficodindia dell’Etna DOP angewandt, der im Naturpark des Ätna wächst und die Gemeinden Belpasso, Paternò, Camporotondo, Ragalna, Santa Maria di Licodia, Adrano, Biancavilla und Bronte umfasst.

Die Ernte der zweiten Fruchtserie beginnt ab Mitte August und dauert bis Dezember.

Nach der Handernte mit speziellen Werkzeugen, den coppi, werden die Früchte durch Walzen geführt, die die Dornen entfernen, ohne das Fruchtfleisch zu beschädigen.

Sorten des Ficodindia dell’Etna DOP

Im Ätna-Vorland wachsen drei natürliche Sorten: sanguigna, sulfarina und muscareḍḍa.

Die sanguigna zeichnet sich durch ihr rotes, sehr saftiges Fruchtfleisch aus – ganz wie der Name vermuten lässt.

Die sulfarina hat ein gelbes, festeres Fruchtfleisch.

Die muscareḍḍa schließlich besitzt ein weißes, zartes Fruchtfleisch. In allen drei Fällen schützt eine schmerzhafte Dornenhülle das süße und frische Innere.

Dank ihrer Süße ist der Ficodindia dell’Etna DOP ein idealer Snack, bildet aber auch die Grundlage für den traditionellen Rosolio-Likör aus Ficodindia.

Außerdem eignet er sich hervorragend für Marmeladen, kandierte Früchte, Eiscreme und sogar für Süßspeisen wie Mustazzoli.

Jedes Jahr im Oktober feiert man in Belpasso das gleichnamige Fest zu Ehren des Ficodindia dell’Etna, der mit dem geschützten DOP-Siegel ausgezeichnet wurde.

Kurioses

Die Früchte, die nach der scozzolatura wachsen, nennt man „scuzzulati“ oder auch „bastarduni“.

Der Begriff „bastarduni“ stammt aus einer Legende: Ein neidischer Bauer schnitt die ersten Blüten ab, um dem Nachbarn zu schaden, doch nach den Regenfällen wuchsen noch größere und saftigere Früchte.

Wie bereits erwähnt, wurde der Ficodindia anfangs von den Bauern misstrauisch betrachtet und als giftig eingestuft.

Erst eine göttliche Fügung verwandelte die Pflanze in eine süße Frucht, und aus Dankbarkeit aßen die Bauern während der Erntezeit viele Ficodindia.

Tatsächlich entstand dieser Brauch daraus, dass die Grundbesitzer ihre Erntehelfer mit Zucker versorgten, damit diese nicht die Trauben naschten.

Daraus entstand auch ein bekanntes Sprichwort über den Ficodindia: Jinchi la panza e jinchila di spini – „Füll deinen Bauch, aber auch mit Dornen“.

Und noch eines:

Das Leben ist wie ein Ficodindia: Wenn du dir nicht zuerst die Dornen einfängst, kommst du nicht an das süße Fruchtfleisch.

In Sizilien wachsen Ficodindia sogar auf den Dächern der Häuser.

Mehr entdecken

Entdecke alle Artikel in der Kategorie Delikatessen, um typische regionale Produkte kennenzulernen.

Alle anzeigen