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Die Arancia „Biondo di Scillato“ – Siziliens sonnige Orangenperle aus den Madonie
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Die Arancia „Biondo di Scillato“ – Siziliens sonnige Orangenperle aus den Madonie

Anna Marino

Über diese Delikatessen

Entdecken Sie die Arancia „Biondo di Scillato“, eine kulinarische Kostbarkeit aus den Madonie-Bergen, die Tradition und sizilianischen Geschmack in sich vereint.

Die Arancia „Biondo di Scillato“ ist eine geschätzte Spezialität aus der Region der Madonie, die weit über Sizilien hinaus bekannt ist.

Wie einst der „Onkel“ in Johnny Stecchino sagte, ist eine der größten Herausforderungen Siziliens zweifellos die Trockenheit.

Wegen des Mangels an Flüssen und Niederschlägen ist Wasser auf der Insel oft knapp, weshalb jeder Bach und jede Quelle sorgsam genutzt werden muss.

Genau das ist in Scillato passiert, einem kleinen Ort im Westen der Madonie, der von Quellen aus den umliegenden Bergen gespeist wird: Seit fast einem Jahrtausend prägen hier zahlreiche Mühlen das Landschaftsbild, die auch für den Anbau der regionalen Kulturen unverzichtbar sind.

Neben der berühmten Aprikose kann Scillato auch mit einer weiteren Delikatesse aufwarten, die auf der Liste der traditionellen Agrarprodukte steht: der Arancia „Biondo“.

Der Orangenbaum

Der Begriff „Biondo“ beschreibt die helle, goldgelbe Farbe dieser besonderen Sorte des Citrus sinensis.

Der Orangenbaum, der zur Familie der Rautengewächse (Rutaceae) gehört, kann bis zu 12 Meter hoch werden.

Seine Früchte reifen über den Winter bis weit in den Frühling hinein und hängen zusammen mit den duftenden weißen Blüten, den berühmten Zagara, an den üppigen Zweigen.

Es gibt viele Orangenarten, die sich vor allem durch ihre Farbe unterscheiden: rote Orangen und eben die hellen, sogenannten „blonden“ Sorten, wie die aus Ribera oder Scillato.

Die Geschichte der Orange

Das Citrus sinensis entstand vor etwa 4000 Jahren durch eine Kreuzung von Pampelmuse und Mandarine in der Grenzregion zwischen China und Südostasien (Thailand, Vietnam u.a.).

Über die Seidenstraße gelangte die Orange in den Nahen Osten und schließlich nach Italien, wo die Römer sie einführten.

Alte Schriften berichten von Orangenanbau in Sizilien, damals „Melarance“ genannt, der jedoch über Jahrhunderte in Vergessenheit geriet. Erst im 15. Jahrhundert brachten portugiesische Seefahrer die Frucht wieder zurück, weshalb sie im Sizilianischen noch heute „Partuallu“ genannt wird, abgeleitet vom portugiesischen „portogallo“.

Wer mehr über die Geschichte der Orange erfahren möchte, findet ausführliche Informationen zur Ribera DOP Orange, die wir ausführlich beleuchten.

Die Entstehung der Brasilianischen Orange

Italien beherbergt mindestens 40 Orangenunterarten, und Sizilien ist ein wahres Paradies für diese Zitrusfrucht (neben der Ribera DOP Orange sind auch die Rote Orange von Sizilien IGP bekannt).

Doch die Orange hat auch den Atlantik überquert und ist im Neuen Kontinent heimisch geworden.

In Brasilien entstand im Jahr 1820 in einem Kloster an der Atlantikküste eine besondere Mutation: die Navel-Orange.

Diese Sorte kehrte in den folgenden Jahrzehnten nach Europa und Sizilien zurück, wo sie als „brasiliana“ bekannt wurde.

Ein zweiter Fruchtansatz

Der Name „brasiliana“ verweist auf die Herkunft dieser Mutation, die zur sogenannten „Navel“-Orange gehört.

„Navel“ bedeutet auf Englisch „Nabel“ und beschreibt die hellere Vertiefung auf der gegenüberliegenden Seite des Stiels bei dieser Sorte.

Diese „Nabel“ ist nichts anderes als die äußere Hülle eines zweiten, kleineren Fruchtansatzes, der im Inneren der Orange wächst – eine faszinierende Besonderheit!

Zur Navel-Familie zählen auch die Sorten Navelina, Washington Navel und Brasiliano, doch in Sizilien wird heute fast jede Nabel-Orange als „brasiliana“ bezeichnet.

Xillatum (Scillato) und seine „Biondo“-Orange

Das gilt auch für die Arancia „Biondo“ aus Scillato, einem kleinen Ort in der Provinz Palermo, am Fuße der Madonie und nur wenige Kilometer von Cefalù entfernt.

Die Gegend ist seit der Antike besiedelt – man erzählt, dass hier trojanische Flüchtlinge Schutz fanden – und profitiert von zahlreichen Quellen, die aus den drei umliegenden Bergen sprudeln: Cozzo di Castellazzo, Monte dei Cervi und Monte Fanusi.

Im Laufe der Jahrhunderte wurden hier viele Mühlen errichtet; die erste urkundliche Erwähnung stammt aus dem Jahr 1156, damals noch unter dem Namen Xillatum, der heutigen Bezeichnung Scillato.

Die späte Ernte der Arancia „Biondo di Scillato“

Das Madonie-Gebiet ist dank seiner Quellen und des milden, von frischen Winden durchzogenen Klimas ideal für den Zitrusanbau.

Ein großer Vorteil der Scillato-Orange ist ihre späte Reifezeit: Sie kann bis in den April hinein geerntet werden – deutlich später als viele andere Sorten.

Die Ernte beginnt im März, nachdem die Bäume in den Monaten zuvor sorgfältig bewässert wurden, und erfolgt ausschließlich per Hand.

Typische Merkmale der Arancia „Biondo di Scillato“

Die Arancia „Biondo di Scillato“, auch brasiliana genannt, umfasst drei Sorten: Washington, Nareline und Navelate.

Die Schale ist hellorange und unterscheidet sich damit deutlich von der roten Orange, deren Farbe durch Anthocyane entsteht.

Auch das Fruchtfleisch ist hell und enthält Kerne. Besonders beeindruckend ist ihr angenehm süßer Geschmack, der bei Zitrusfrüchten nicht immer selbstverständlich ist.

Sie eignet sich hervorragend für frisch gepresste Säfte dank ihres hohen Saftanteils, schmeckt aber auch pur wunderbar. In der Küche verfeinert sie klassische Gerichte wie die Sarda a beccafico, und aus ihrer Schale werden kandierte Früchte hergestellt, die in traditionellen Süßspeisen wie Cannoli und Cassata unverzichtbar sind.

Jedes Jahr im April feiert Scillato ein Fest zu Ehren der Arancia „Biondo di Scillato“, das einige Monate vor dem Fest der Aprikose von Scillato stattfindet – beide sind als traditionelle Agrarprodukte (P.A.T.) geschützt.

Interessantes und Anekdoten

Der griechischen Mythologie zufolge brachte Hera die Orangen als Mitgift zu Zeus, und sie wurden von den Nymphen der Hesperiden behütet.

Früher war es üblich, nach dem Essen einen Capillaire zu trinken – einen Kaffee, dem Orangenschale beigemischt wurde.
Die Orange spielt auch in zahlreichen Sprichwörtern eine Rolle.

„Orangen am Morgen sind Gold wert, zum Mittag Silber, am Abend Blei.“

„Hausgemachte Süßigkeiten sind wie Orangen – man muss sie mit viel Sorgfalt pflegen.“ (Pino Caruso).

Aranci, aranci, cu havi vai si li chianci!

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