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Die Albicocca di Scillato: Siziliens süßer Aprikosen-Schatz
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Die Albicocca di Scillato: Siziliens süßer Aprikosen-Schatz

Mario Greco

Über diese Delikatessen

Entdecken Sie die Albicocca di Scillato, eine authentische sizilianische Aprikose mit zartem, süßem Geschmack und einer faszinierenden Geschichte.

Die Albicocca di Scillato zählt zweifellos zu den kulinarischen Kostbarkeiten Siziliens.

Seit jeher kämpft der Mensch beim Anbau von Pflanzen gegen verschiedenste äußere Einflüsse, die das Wachstum erschweren. Dabei sind es nicht nur Naturgewalten wie Überschwemmungen oder Dürreperioden, sondern auch kleine, aber gefährliche Tiere: Insekten.

Im mediterranen Raum sorgt vor allem die sogenannte „Fruchtfliege“ für Aufruhr – der Hauptfeind der Obstbauern rund ums Mittelmeer.

Doch die Albicocca di Scillato entkommt diesem Übel durch ihre frühe Reifezeit, die sie vor den Angriffen der lästigen Fliege schützt.

Dank des nahezu vollständigen Verzichts auf Pestizide besticht diese Aprikose durch ihre natürliche Reinheit und ihr zartes, süßes Fruchtfleisch, das in vielen traditionellen Rezepten aus Palermo und darüber hinaus Verwendung findet.

Der Aprikosenbaum

Die Sorte aus Scillato ist eine robuste Aprikose, die Frucht des Prunus armeniaca.

Dieser Baum gehört zur Familie der Rosengewächse – zu der neben der Rose auch Birnen-, Mandel- und Apfelbäume zählen – und zeichnet sich durch breite Blätter aus, weshalb er auch als „latiform“ bezeichnet wird. Die Blüten erscheinen vor den Blättern, weiß mit zarten rosa Adern, typisch für Prunus-Arten wie Mandel, Pfirsich oder Pflaume.

Nach der Blüte entwickeln sich die Aprikosen, die zu den Steinfrüchten gehören – das heißt, sie enthalten einen harten Kern im Inneren.

Italien ist weltweit der sechstgrößte Aprikosenproduzent, hinter Ländern wie der Türkei und Usbekistan.

Die „armenische Apfel“

Die Region zwischen Kaukasus und Steppe, die heute führend im Aprikosenanbau ist, hat eine lange Tradition mit dieser Frucht.

Viele Jahrhunderte lang glaubten die Italiener, die Aprikose stamme ursprünglich aus Armenien und dem Kaukasus.

Deshalb nannten die alten Römer die Aprikose „armenischer Apfel“ und verbanden sie fälschlicherweise mit dieser Region.

Wahrscheinlich lernte Alexander der Große die Frucht dort kennen, verliebte sich in ihre Süße und brachte sie in seine Heimat zurück.

So gelangte der „armenische Apfel“ über den römischen Konsul Lucullus nach Italien.

Der arabische Einfluss

Die Römer waren die ersten, die Aprikosen kultivierten, doch im Mittelalter geriet die Frucht in Vergessenheit.

Eine Renaissance erlebte der Anbau durch die arabischen Eroberer, die auch die Anbaumethoden verfeinerten.

Die Aprikose wurde „praecoquum“ genannt, was „früh reifend“ bedeutet – eine Bezeichnung für eine frühe Frucht.

Die Araber missverstanden den Begriff und wandelten ihn zu al-barqūq ab, wovon unser heutiger Name abstammt und der in vielen Sprachen zu finden ist.

Ein Blick noch weiter nach Osten

In einigen Teilen Italiens hält sich bis heute die sprachliche Verbindung zu Armenien.

So nennt man die Aprikose im Triveneto armelin und in der Lombardei mugnagh, was an die römische Bezeichnung „armenischer Apfel“ erinnert.

Selbst im 18. Jahrhundert glaubte der schwedische Botaniker Linnaeus noch an die armenische Herkunft und benannte die Art daher armeniaca.

In Wahrheit stammen die Ursprünge der Aprikose weiter östlich, vermutlich aus Persien oder sogar Indien.

Von dort gelangte sie über Karawanen nach Armenien und wurde schließlich von Alexander dem Großen nach Europa gebracht.

Scillato und seine Aprikose

Die Aprikose ist keine jahrhundertealte Tradition in Scillato, denn der Anbau begann hier erst in den 1970er Jahren.

Dennoch entwickelte sich die Kultivierung schnell zum Erfolg – nicht zuletzt dank der besonderen Lage und der reichen Geschichte Scillatos.

Diese reicht weit zurück, als trojanische Flüchtlinge auf den Höhen der Madonie Schutz fanden.

Die Hügel bieten zahlreiche fruchtbare Wasserläufe, die von den Gipfeln wie Cozzo di Castellazzo, Monte Fanusi und Monte dei Cervi herabfließen.

Um das Wasser optimal zu nutzen, wurden bereits im Mittelalter Mühlen gebaut – eine davon wurde 1156 in der Gegend namens Xillatum erwähnt, dem heutigen Scillato.

Die Herausforderungen für die Albicocca di Scillato

Scillato ist ein kleiner Ort mit weniger als 700 Einwohnern, doch er kann stolz auf zwei vom italienischen Landwirtschaftsministerium als traditionelle Agrarprodukte anerkannte Spezialitäten sein: die „biondo“ Orange und unsere Aprikose.

Das Besondere an der Albicocca di Scillato sind ihre frühen Reifezeiten, die bereits im März beginnen und bis zum Frühsommer andauern.

So entgeht sie den Attacken der Ceratitis capitata, der mediterranen Fruchtfliege.

Dieser gefürchtete Schädling, vermutlich aus dem subsaharischen Afrika stammend und mittlerweile weltweit verbreitet, befällt nicht nur Aprikosen, sondern viele andere zarte Obstsorten. Die weibliche Fliege legt ihre Eier ins Fruchtfleisch, aus denen Larven schlüpfen, die die Früchte zerstören.

In Sizilien treten die Angriffe besonders nach Juni auf.

Typische Merkmale der Albicocca di Scillato

Dank ihrer frühen Reife entgeht die Albicocca di Scillato diesem Schicksal.

Sie reift von März bis Juni und vermeidet so die Eiablage der Fruchtfliege, was eine schadfreie Ernte ohne Pestizide ermöglicht.

Abgesehen vom jährlichen Schnitt kümmern sich die Bauern kaum um die Bäume, die Ernte erfolgt ausschließlich von Hand.

Die Aprikose besticht durch ihre gelb-orangefarbene Schale mit kleinen roten Sprenkeln, die sich auch im weichen, süßen Fruchtfleisch widerspiegeln.

Sie schmeckt pur am besten, wird aber auch in vielen traditionellen Gerichten aus Palermo verwendet und zu köstlichen Marmeladen verarbeitet.

Im Juni feiert Scillato die Ernte mit einem Fest zu Ehren dieser besonderen Frucht, organisiert von einer engagierten Jugendgruppe, den Carusi.

Interessantes rund um die Aprikose

Aprikosen werden frisch, getrocknet, in Sirup oder als Marmelade genossen – letztere ist die Basis der berühmten Sachertorte.

In China, dem ursprünglichen Heimatland der „armenischen Apfel“, aßen Frauen Aprikosen, um ihre Fruchtbarkeit zu steigern – wissenschaftliche Studien bestätigen die Bedeutung der Frucht für die weiblichen Hormone.

Arabische Ärzte nutzten die Aprikose zur Behandlung von Ohrenschmerzen, während im englischen Volksglauben das Träumen von Aprikosen Glück verheißt.

Die Aprikose ist zudem Thema eines wunderschönen Gedichts von Ada Negri.

Heute Morgen blühte der junge Aprikosenbaum

als erster und einziger im noch kahlen Garten.

In den drei höchsten Zweigen

blühte er leicht: in seinem weißen Kleid

lacht er zum Himmel mit kindlicher Verwunderung.

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